Unser Experte im Interview: "Baden und Entspannen"

Können Sie in wenigen Sätzen sagen, welche Wirkung Wasser auf den menschlichen Organismus hat?
Dr. Frank: Wasser ist das Lebenselixier für alles Leben auf der Erde. Im Sinne der Kneipp-Therapie, beispielsweise bei Wechselgüssen, hat Wasser die wesentliche Funktion, sehr schnell und effektiv Temperaturänderungen einzelner Körperteile wie Haut und darunter liegende Gewebe herbeizuführen. Infolge dieser Temperaturänderungen kommt es danach zu entgegengesetzten Temperaturveränderungen dieser Körperteile und in deren Folge zu einer verbesserten Durchblutung.
Viele Menschen wollen bei der Badplanung auf eine Badewanne verzichten, weil sie selten baden und den Platz anderweitig nutzen möchten. Was sagen Sie dazu?
Dr. Frank: Das ist sehr schade. Eine Badewanne könnte/sollte der Mittelpunkt eines schönen und nicht zu kleinen Badezimmers sein. Mit einem schön ausgestatteten Badezimmer hat man eine eigene kleine Wellness-Oase zu Hause, an der man sich nicht nur täglich erfreuen kann, sondern auch bei Krankheiten, wie Erkältung oder Rheuma, lindernde Bäder nehmen kann.
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Ein Vollbad allein wirkt schon gut. Was können Badezusätze darüber hinaus noch tun? Wie verstärken sie die Wirkung?
Dr. Frank: Geeignete Badezusätze können zusätzliche Wirkungen zur Verbesserung einer Gesamtwirksamkeit beisteuern.
Beispiele: Erkältungsbäder können antibakterielle, antivirale und entzündungshemmende Wirkungen zu der Wärmewirkung und der immunstimulierenden Wirkung des Bades und der anschließenden Kaltwasseranwendungen liefern. Die Wirkstoffe in Rheumabädern können Entzündungsparameter günstig beeinflussen und schmerzlindernd wirken.
Beruhigend wirken ätherische Öle und Düfte. Sie können sowohl über eine direkte Beeinflussung des Nervensystems als auch über den Geruch allein (aromatherapeutische Wirkung) die komplexen Vorgänge in unserem Gehirn in Richtung einer Anti-Stress-Wirkung oder schlafvorbereitenden Wirkung beeinflussen oder einfach nur ein Gefühl des sich Wohlfühlens hervorrufen.
Muss es immer unbedingt ein Vollbad sein?
Dr. Frank: Keineswegs muss es immer ein Vollbad sein. Aber: Ein Rheumabad bei Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und auch bei Erkältungsbädern kann ich mir nur ein Vollbad vorstellen. Auch Bäder gegen Stress und Hektik und zur Schlafvorbereitung sollten angenehm warme Vollbäder sein.
Kühle oder kalte Halbbäder sind gut als Erfrischung an heißen Tagen geeignet. Die Badezeit beträgt dann nur wenige Sekunden bis Minuten.
Wie oft sollte man baden, um langfristig positive Effekte wie z.B. innere Ruhe, ein besseres Hautbild, weniger Verspannungen etc. zu verspüren? Genügt ein Bad 1-2x pro Monat?
Dr. Frank: Auf keinen Fall genügt das! Grundsätzlich gilt die alte Kneipp-Regel auch hier: Die Art, die Dauer und die Intensität einer Kneipp-Anwendung haben sich nach dem individuellen Zustand und Bedürfnis zum aktuellen Zeitpunkt zu richten.
Das kann für den Einen bedeuten, dass er fast jeden Abend ein warmes Bad zur Entspannung, zum Abschalten oder zur Vorbereitung auf einen gesunden Schlaf nimmt und für den Anderen, dass er eine Woche lang bereits morgens ein Bad gegen seine Erkältung nimmt und für den Dritten, dass er bei großer Sommerhitze am frühen Nachmittag ein kühles Kurzbad zur Erfrischung braucht, um danach wieder kreativ an seinem Schreibtisch sitzen zu können.
Wir nutzen hauptsächlich warmes Wasser zum Baden. Warum sollten wir auch vermehrt kaltes Wasser in unsere „Wellness-Anwendungen“ integrieren oder auch Wechselbäder?
Dr. Frank: Den ganz überwiegenden gesundheitsfördernden Effekt im Sinne der Kneippschen Wasseranwendungen hat kaltes Wasser.
Warmes Wasser hat aber ebenfalls eine Bedeutung: Es erweitert die Blutgefäße, entspannt, ist angenehm und lädt zum genießen ein. Damit hat es eine wichtige, auch psychisch nicht zu unterschätzende Funktion insbesondere gegen Stress, innere Unruhe, Rheuma, Muskelschmerzen usw. Nicht nur für Menschen mit niedrigem Blutdruck ist es gut, am Ende eines Warmbades immer eine kurze, kalte Wasseranwendung durchzuführen. Dadurch werden der Blutdruck und damit auch das Wohlbefinden wieder auf das Normalmaß angehoben und es kommt danach zu einer lang anhaltenden Erwärmung.
Bei Wechselbädern beginnt man meist warm. Auch wenn man nur eine Kaltanwendung machen will, muss man warm beginnen. Sehr wichtig ist es, wechselwarme Anwendungen immer kalt zu beenden. Übrigens ein gutes Einschlafmittel sind wechselwarme Fußbäder!
Wie mache ich in meiner Dusche Kneipp-Güsse?
Dr. Frank: Eigentlich ist es nicht schwer in einer normalen Dusche Kneipp-Güsse zu machen. Die entscheidenden Punkte sind der Brausekopf und der Schlauch. Grundsätzlich sollte die Duscharmatur einen Schlauch besitzen, der lang genug ist (mind. 2m), um bequem den Wasserstrahl so lenken zu können, wie man das möchte. Der Duschkopf selbst sollte die Möglichkeit bieten, einen weichen Wasserstrahl mit viel Wasser zu erzeugen, der mindestens einen Durchmesser von 1,5 cm hat.
Ziel ist ein weicher Wasserfluss, der das Bein, den Arm usw. mit einer großen Fläche (einem „Wassermantel“) fließenden Wassers umhüllt. Durch harte Wasserstrahlen spritzt das Wasser von der Haut weg anstatt an ihr entlang abzufließen. Dadurch unterbleibt der Kühl/Wärme-Effekt größtenteils.
Wie kann ich die positive Wirkung des Wassers in meinen normalen Alltag integrieren, der oftmals durch Zeitmangel, Stress und Hektik geprägt ist?
Dr. Frank: Ein wichtige Maßnahme ist hier: Umdenken! Wenn man den Wert des Lebens nur daran misst, wie viel man am Tag „erledigt“ hat, darf man sich nicht wundern, wenn man am Ende selbst „erledigt“ ist. Gerade eine Badewanne lädt dazu ein, von Stress und Hektik eine Auszeit zu nehmen. Wenn man ein Bad nimmt, nimmt man sich Zeit für sich selbst und gönnt sich eine Wohltat. Eine „glückliche Auszeit“ für 20 Minuten in einem wohligen Bad kann wichtiger sein, als 20 anstelle von 19 Aktivitäten erledigt zu haben.
Aber selbst wenn man nicht bereit ist, 20 Minuten zu investieren, kann man mit zwei Minuten bereits eine kleine Kneipp-Anwendung morgens unter der Dusche machen zum Beispiel mit kalten Unterschenkelgüssen, kalten Gesichtsgüssen oder -bei Geübten- auch Ganzkörpergüssen. Danach fühlt man sich dann so, als könne man Bäume ausreißen.
Wichtig ist immer: Die Balance halten zwischen Stress und Ruhe und Genuss!


