Leben als „Wasserdoktor“

Im selben Jahr begann Sebastian Kneipp, seine Behandlungserfahrungen an Patienten anzuwenden, die zu ihm kamen, weil ihnen von den Ärzten nicht geholfen wurde oder weil sie kein Geld für einen Arzt hatten. Des Öfteren half er auch, wenn er als Priester zu Kranken gerufen wurde, um beispielsweise die Sterbesakramente zu geben. Eine an Cholera erkrankte Frau heilte er vollständig.
Schnell sprach sich herum, dass der “Cholera-Kaplan”, wie Kneipp inzwischen von der Bevölkerung ehrfürchtig genannt wurde, zügig und kostenlos half, was auf zunehmende Kritik der Ärzte und Apotheker stieß. Sie fühlten sich durch Kneipps Wirken brüskiert – es wurde Anzeige gegen ihn erstattet. Kneipp mußte vor Gericht erscheinen und verteidigte sich dort mit dem Argument, ob man Kranken nicht helfen dürfe, wenn die Ärzte nicht mehr helfen können oder wollen und der Kranke mittellos ist. Der Fall nahm eine überraschende Wendung: Der Richter ließ sich von Kneipp Ratschläge zur Behandlung seines Rheumatismus geben und stand ihm in seinem Urteil zu, hilfsbedürftige und mittellose Menschen kurieren zu dürfen.
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