Sebastian Kneipp Preis 2011 für neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Herzgespannkraut

Bad Wörishofen, 16.05.09 – Anlässlich des 190. Geburtstags von Sebastian Kneipp verlieh die Sebastian Kneipp Stiftung den Sebastian Kneipp Preis 2011 an Prof. Dr. Rauwald und Prof. Dr. Dhein für ihre gemeinsame Studie zu den molekularen Wirkungen eines Pflanzenspezialextraktes aus Leonurus cardiaca (Herzgespann) am Herzen. Der Sebastian Kneipp Preis ist mit 10.000 € dotiert und zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Kneipp-Therapie, insbesondere der Phytotherapie d.h. der Wirksamkeit von Heilpflanzen liefern.
Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am 13.05.2011 in Bad Wörishofen übergab Dr. Hans Horst Fröhlich, Vorsitzender der Sebastian Kneipp Stiftung die Preise an die Preisträger. Prof. (emer.) Dr. Dr. h.c.mult. Heinz Schilcher hielt die Laudatio für die Arbeit von Prof. Rauwald und Prof. Dhein und hob insbesondere die außergewöhnliche interdisziplinäre Zusammenarbeit hervor - zwischen Pharmazeuten, die aufwendig Extrakte, Fraktionen und Inhaltstoffe aus der Pflanze gewonnen haben und Medizinern, die diese dann am hochspezialisierten pharmakologischen Modell untersuchten.
Einen Sonderpreis erhielt Dr. Robert Bachmann, Bad Wörishofen, für seine Studie „Die Kneipp-Therapie als integratives naturheilkundliches Verfahren im klinischen Alltag.
Prof. Dhein hat in seiner Arbeit zeigen können, dass wirkstoffangereicherte und standardisierte Extrakte dieses Heilkrautes, die im Institut von Prof. Rauwald entwickelt und hergestellt wurden, Wirkungen auf die elektrische Erregung des Herzens, auf das Aktionspotential besitzen, und dabei insbesondere Wirkungen auf Calcium- und Kaliumkanäle sowie auf Schrittmacherkanäle des Herzens entfalten, und dass dies am Herzen zu einer Verlangsamung des Herzschlages einerseits, sowie zu einer Entlastung des Herzens zusammen mit einer Erweiterung der Herzkranzgefäße führt.
Daraus ergeben sich als mögliche Indikationen eines solchen Spezialextraktes die koronare Herzkrankheit sowie schnelle (tachykarde) Rhythmusstörungen, was auch in Teilen der tradierten volksmedizinischen Verwendung entspräche. Dieser Spezialextrakt wurde von den beiden Forschern patentiert, und inzwischen ist auch die Aufklärung der chemischen Natur der wirksamen Bestandteile gelungen (Multikomponenten-Multitarget-Wirkungen, d.h. vielfältige Wirkmechanismen am Herzen). So konnten mittels modenster Hochleistungs-chromatographischer und spektroskopischer Methoden diverse Wirkstoffe aus fünf verschiedenen Naturstoffgruppen identifiziert, quantifiziert und standardisiert werden. Ein besonderer Aspekt dieser Arbeit liegt auch darin, dass die Wirkung des Leonurus cardiaca-Spezialextraktes aus dem gleichzeitigen Angriff an Calcium-, Kalium- und Schrittmacherkanälen resultiert, und gerade darin ein Vorteil gegenüber anderen Substanzen in dem genannten Indikationsbereich liegen könnte, die nur an einem Zielstruktur angreifen.
Mit ihrer Arbeit ist es den beiden Forschern gelungen, für die seit der Antike tradierte Verwendung eines in der Neuzeit weitgehend in Vergessenheit geratenen Heilkrauts erstmals eine molekular-pharmakologische Evidenz zu schaffen, die Wirkung am isolierten Organ und der isolierten Zelle darzustellen und naturwissenschaftlich klare Wirkungsmechanismen zu identifizieren und diese anhand einer Vielzahl unterschiedlicher Wirkkomponenten zu standardisieren, womit sie für diesen phytopharmakologischen Ansatz, also Medikamente, die aus Pflanzen entwickelt werden, eine wissenschaftliche pharmakologische und qualitätsgesicherte Basis geschaffen haben.
Finden Sie hier weitere Informationen auf der Seite der Kneipp-Stiftung.



