
„Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet.“
(Sebastian Kneipp)
Wer die Bewegungstherapie im Kneippschen Sinne anwenden möchte, muss kein Athlet sein. Auch in den Alltag integrierte Bewegung und gemäßigte Sportarten steigern das Wohlbefinden nachhaltig und stärken dabei die Körperkräfte.
Zu Lebzeiten Sebastian Kneipps gingen die Menschen tagsüber meist einer schweren körperlichen Arbeit nach. Abends waren sie dann müde und hatten kein Bedürfnis mehr nach körperlicher Bewegung.
Dennoch spielt die Bewegung in der Kneippschen Lehre eine tragende Rolle. „Wenn eine Maschine lange der Witterung ausgesetzt ist und nicht verwandt wird, so wird sie bald ihre Dienste versagen, sie wird zuletzt gebrechlich werden und zerfallen, ohne dass man sie gebrauchen kann. Gerade so ergeht es dem Körper“, sagt Kneipp und verordnet in seinen Schriften beispielsweise regelmäßiges Holzhacken und Dreschen.
Im Unterschied zum 19. Jahrhundert üben heute viele Menschen eine sitzende Tätigkeit aus, selbst kurze Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt und die Freizeit verbringen wir oft bewegungsarm vor dem Fernseher. Der von Kneipp empfohlene harmonische Ausgleich zwischen körperlicher und geistiger Bewegung ist daher heute aktueller denn je.
Den Alltag beweglich gestalten
Bewegung lässt sich ohne großen Aufwand mühelos in den Alltag integrieren.
- Nehmen Sie nicht den Fahrstuhl sondern die Treppe
- Lassen Sie das Auto auch mal stehen und fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit oder gehen Sie zu Fuß
Schon diese einfach zu integrierenden Tätigkeiten regen den Kreislauf an, stärken das Immunsystem und wirken sich positiv auf jedes strapazierte Nervenkostüm aus.
Sanft aber regelmäßig
Wer Gesundheit und Wohlbefinden erlangen und nachhaltig steigern will, der sollte das folgende Kneippsche Prinzip stets beherzigen: „Alles zu seiner Zeit und alles im rechten Maß“.
Es müssen daher keine Spitzenleistungen sein, die dem Körper abgerungen werden. Auch von einem allzu ehrgeizigen und einseitigen Training im Fitness-Studio, das nur dazu dient, etwa den Bizeps aufzubauen oder die Bauchmuskeln zu straffen, würde Kneipp eher abrate.
Besonders gut für die Gesundheit sind hingegen Ausdauer-Sportarten wie Schwimmen, Walken, Joggen oder Ballspielen, weil sie den Körper gleichmäßig beanspruchen. Am besten 2 - 3 Mal in der Woche.
Viel Bewegung an der frischen Luft
Heute sind immer mehr Menschen auf der Suche nach den einfachen Dingen. Der Lebensstil von Kneipp ist natürlich und zeitlos. In seinem ganzheitlichen Denken sind es die sanften Reize, die Starkes bewirken. Wie beispielsweise ein ausgedehnter Spaziergang an der frischen Luft. Auch Radfahren oder Walken verbinden das Erlebnis der Natur auf einfache und harmonische Weise mit der Bewegung. Dabei spielt Alter und körperliche Voraussetzung kaum eine Rolle - es sind Aktivitäten, die von jedermann und überall ausgeübt werden können.
Hauptsache, es macht Spaß
Es gibt keine strengen Ge- oder Verbote. „Was der Psyche gut tut, kann dem Körper nicht schaden“, so der Menschenfreund Sebastian Kneipp.
Aller Sport bringt nur wenig, wenn man sich dazu zwingen muss. Was hilft es, wenn Schwimmen zwar gesund ist, aber schon der Gedanke an kaltes Wasser Gänsehaut macht. Nicht jede Sportart ist für jeden gleich geeignet. Es kommt ganz auf die individuellen Voraussetzungen an. Wichtig ist, die eigene Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen, das sinnvolle Maß einzuhalten und dabei Vergnügen zu empfinden.
